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Neujahrsempfang beim DRK KV Bergstraße

Gastrede: 40 Jahre Zusatzprotokolle

Der Präsident des DRK Landesverbandes Hessen e.V. spricht zu den Gästen. Er berichtete kurz und prägnant über die Arbeit und aktuelle Themen im DRK Landes- und Bundesverband.

Gastredner Prof. em. Dr. Michael Bothe befasste sich in seiner Rede mit dem Thema „40 Jahre Zusatzprotokolle der Genfer Abkommen“. Anhand Bildern aus aktuellen Krisengebieten z.B. in Aleppo erklärte er, dass humanitäre Hilfe nicht nur Erste Hilfe, sondern aus vielmehr besteht und dort auch Helfer des Deutschen Roten Kreuzes eingesetzt sind.

Der Vorsitzende des DRK Kreisverbandes Arno Gutsche begrüßt die Gäste insbesondere aus Politik und von befreundeten Hilfsorganisationen.

Nach der Begrüßung, Grußworte und der Gastrede konnten die Gäste noch am Buffet zu Gesprächen verweilen.

Zum Neujahrsempfang lud der DRK Kreisverband Bergstraße e.V. in den Kurmainzer Amtshof in Heppenheim ein-Kreisvorsitzender Arno Gutsche begrüßte in seinen Eröffnungsworten die zahlreich erschienen Gäste aus Politik, Wirtschaft, den verschiedenen Ortsvereinen des DRK im Kreisgebiet, Vertretern der Nachbarkreisverbände sowie weiterer befreundeter Hilfsorganisationen, Feuerwehr und Polizei im Kreis Bergstraße. Als besondere Gäste wurden die Mitglieder des Bundestages Christine Lambrecht und Dr. Michael Meister, sowie Staatssekretär Thomas Metz, Mitglied des Landtages Norbert Schmitt, Landrat Christian Engelhardt, sowie Kreisbeigeordneter Karsten Krug und der Präsident des DRK Landesverband Hessen Norbert Södler begrüßt. Als Gastredner fungierte Prof. em. Dr. Michael Bothe, der eine Ansprache zum Thema „40 Jahre Zusatzprotokolle zu den Genfer Abkommen“ hielt. Gutsche bedankte sich bei den Vertretern der Stadt Heppenheim für die Bereitstellung der Räumlichkeiten.

Sorgenkind Rettungs- und Pflegedienst

Nach der Begrüßung übernahm der Präsident des DRK Landesverband Hessen Norbert Södler das Wort. Er berichtete, dass der Landesverband Hessen derzeit sehr gut aufgestellt sei. Nachdem der langjährige Präsident des DRK-Bundesverband Rudolf Seiters in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet wurde, hat nun Frau Gerda Hasselfeldt dieses Amt übernommen und steht somit der größten Hilfsorganisation in Deutschland vor. Auch der Status der Helfer innerhalb des Katastrophenschutzes wurde verbessert. Die Helfer sind nun den Kräften der Feuerwehren gleichgestellt. Des Weiteren arbeitet der Landesverband gemeinsam mit der Landesregierung daran, den ehrenamtlichen Einsatz in der hessischen Verfassung zu verankern. Ein Sorgenkind bleibt jedoch weiterhin der Rettungs- und Pflegedienst. Eine Umstrukturierung ist wohl bald nicht mehr zu umgehen. Es gilt, die Berufe in diesen Feldern wieder attraktiver zu gestalten, um mehr Nachwuchskräfte zu finden. Eine Option wäre hier die bessere und schnellere Einbindung von Migranten. Auch eine Erhöhung des Pflegeschlüssels wäre zu überdenken.

Im Anschluss übernahm MdB Dr. Michael Meister das Wort, der sich freute, dass er wieder zu Gast in den Reihen des DRK sein konnte. Er betonte, dass sich das DRK derzeit im Wandel befindet. In den vergangenen Jahren kam es immer mehr zu einer Verschiebung von „nur“ Erste-Hilfe und Rettungsdienst zu einem breit gefächerten Aufgabenfeld im sozialen Bereich. Dies kommt nicht nur in der Migrationsberatung und -betreuung zum Ausdruck, sondern auch im Pflegebereich, wie zum Beispiel bei der Demenzbetreuung. Hier muss man auf allen Ebenen vor allem dem Personal Respekt zollen. Dies geschieht leider viel zu selten und wird immer häufiger ignoriert, wie die kürzlich erfolgte Demonstration der Hilfsorganisationen in Frankfurt zeigte. Hier gäbe es auch von Seiten der Bundesregierung noch Handlungsbedarf, wie Meister in seiner Ansprache betonte. Er allerdings zeigte sich stolz auf das DRK in seinem Heimatkreis.

Mehr DRK Ortsvereine als Städte und Gemeinden

Landrat Christian Engelhardt betonte ebenso, welch große Rolle das DRK im Kreis Bergstraße spielt. Mit seinen 25 Ortsvereinen und 15 Jugendrotkreuz-Gruppen bedeutet dies eine flächendeckende Struktur im Kreisgebiet, gibt es doch somit mehr DRK-Ortsvereine als Städte und Gemeinden. Hierbei zeigt sich das DRK als zuverlässiger Partner der Kommunen. Besonders beeindruckt zeigte sich Engelhardt über die Anzahl der geleisteten Dienststunden während der Fastnachtstage. Während andere Menschen feierten, leisteten die Helferinnen und Helfer des Roten Kreuzes 883 ehrenamtliche Einsatzstunden alleine am Fastnachtswochenende. Dies sollte mit gebührendem Respekt gewürdigt werden. Auch auf Kreisebene bereitet der Personalmangel im Rettungsdienst Sorgen. Die Einsatzstunden steigen, da die Bevölkerung durch die Zentralisierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes sehr verunsichert ist. Dies führt dazu, dass sowohl die Zentrale Leitstelle, als auch der Rettungsdienst immer häufiger als Berater dienen. Obwohl der Landkreis Bergstraße als erster Landkreis eine Einigung mit den Krankenkassen finden konnte und das Personal der Leitstelle aufgestockt hat, fehlt es doch an Fachpersonal im Rettungsdienst. Gerade deshalb ist eine intensive Nachwuchsarbeit immens wichtig. Auch der Pflegenotstand ist immer wieder ein Thema. Das Landratsamt hat nun im Rahmen ihres Projektes „Vision Bergstraße“ die Initiative „Pflegetisch“ ins Leben gerufen. Bei diesem Gremium wird auch der DRK KV Bergstraße e.V. beteiligt sein. Zum Abschluss seiner Rede dankte Christan Engelhardt allen haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des Kreisverbandes für ihre aufopfernde Tätigkeit zum Wohl ihrer Mitmenschen.

Zeitzeuge spricht über Zusatzprotokolle

Gastredner Prof. em. Dr. Michael Bothe befasste sich in seiner Rede mit dem Thema „40 Jahre Zusatzprotokolle der Genfer Abkommen“. Als Zeitzeuge, der vor über 40 Jahren an der Abfassung der Zusatzprotokolle mitarbeitete, zeigte er am Problembereich praktische Hilfe für Konfliktopfer auf, wo die Zusatzprotokolle auch heute noch greifen. Anhand Bildern aus aktuellen Krisengebieten in Ost-Aleppo, Bangladesch, Somalia und Irak erklärte er, dass humanitäre Hilfe nicht nur Erste Hilfe, sondern auch in Form von Wasseraufbereitung, Aufbau und Betrieb von Flüchtlingscamps, Versorgung der betroffenen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Kleidung und vielem mehr bestehen kann. Hierbei arbeitet das Rote Kreuz vor allem in den arabischen Gebieten mit der Schwesterorganisation Roter Halbmond zusammen. Der Schutz der Konfliktopfer durch Recht war der Grundgedanke von Henry Dunant. Bereits im Jahr 1864 entstand so das erste Genfer Abkommen, das sich in erster Linie um Kriegsverletzte kümmerte. Im Laufe der Jahre wurde es immer angepasst. So kam nach und nach auch der Schutz von Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung im bewaffneten Konflikt hinzu. In der Zeit von 1974 bis 1977 galt es nun, die Erfahrungen der Nachkriegszeit zu verarbeiten und einzubinden. Willkür sollte ausgeschaltet werden, um so einem jeden Menschen ein Recht auf humanitäre Hilfe gewährleisten zu können. Dies ist bis zum heutigen Tag weitestgehend gelungen, jedoch muss weiterhin daran gearbeitet werden, damit dies auch weltweit umsetzbar wird. Die 40 Jahre, die nach der Verfassung der Zusatzprotokolle vergangen sind, sind im Weltenlauf ein ganz kleiner Zeitraum. Aber sie sind auch ein Zeichen, dass die Entwicklung auf diesem Gebiet voranschreitet.

Der sehr informative und kurzweilige Redebeitrag wurde von den anwesenden Gästen mit anhaltendem Applaus honoriert. Arno Gutsche und Kreisgeschäftsführer Ulrich Bergmann überreichten Prof. Dr. Bothe zum Dank ein kleines Präsent und ein Blumengebinde für dessen Ehefrau.

Kreisvorsitzender Arno Gutsche dankte allen, die zum Gelingen des Jahresempfangs beigetragen haben. Mit einem gemütlichen Beisammensein am reichlich bestückten Buffet klang der Vormittag in froher Runde aus.

6. März 2018 22:00 Uhr. Alter: 101 Tage