DRK Jahresempfang 2026 im Musiktheater Rex
Neujahrsempfang des DRK Bergstraße mit zahlreichen Gästen aus Politik und Ehrenamt im Musiktheater Rex in Bensheim. Erlebnisbericht eines deutschen Arztes im ukrainischen Kriegsgebiet.
Der Einladung zum traditionellen Jahresempfang des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an der Bergstraße waren rund 100 Personen aus Politik, Rettungsdienst und Ehrenamt gefolgt. Unter den Gästen im Musiktheater Rex in Bensheim waren auch Abordnungen der befreundeten Hilfsorganisationen der Johanniter Unfallhilfe und des THW Bensheim sowie der Bundeswehr.
Als Ehrengäste aus der Kommunalpolitik konnte der DRK Kreisvorsitzende Arno Gutsche neben dem Kreistagsvorsitzenden Joachim Kunkel und Landrat Christian Engelhardt (beide CDU) die Bürgermeister Erik Kadesch (Mörlenbach, CDU), Holger Schmitt (Rimbach, CDU) und Christian Schönung (Lorsch, CDU) begrüßen. Aus Bensheim war Stadtrat Oliver Roeder, aus Biblis der gewählte Bürgermeister Konstantin Großmann sowie aus Wald-Michelbach der Erste Beigeordnete Manfred Gölz (alle CDU) zum Jahresempfang des DRK Bergstraße gekommen. Neben dem hessischen DRK Präsidenten Norbert Södler und seiner Stellvertreterin Brigitte Wettengel, dem Landesschatzmeister Dr. Holger Grothe sowie dem stellvertretenden Landesjustitiar Paul Weil war auch der Präsident des Verwaltungsgerichts Darmstadt Thomas Metz in Bensheim unter den Gästen.
Grußworte der Ehrengäste
Norbert Södler wies als Präsident des DRK Landesverbandes Hessen in seinem Grußwort darauf hin, dass in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzung dem DRK bei der Verbreitung von Informationen zum humanitären Völkerrecht eine wichtige Aufgabe zukäme: „Die Verbreitungsarbeit ist hier an der Bergstraße schon sehr gut. Zukünftig müssen wir diese als DRK insgesamt aber noch intensivieren.“ Besonders die jederzeitige Einhaltung der Neutralität sei für das DRK elementar. Ergänzend verwies Arno Gutsche darauf, dass das Rote Kreuz gerade deshalb keine sogenannten Convoy Support Center (CSC) unterstützen dürfe. „Durchziehende militärische Truppen sind nicht mehr neutral, deshalb dürfen wir als DRK diese auch nicht unterstützen.“ Der DRK Kreisvorsitzende und Konventionsbeauftragte unterstützte zudem die Forderung Norbert Södlers nach einer Intensivierung der Verbreitungsarbeit: „Als Auxiliar der Bundesrepublik Deutschland ist das DRK im humanitären Bereich ein wichtiger Teil des Staates und muss zukünftig noch mehr Angebote zur Information der Bevölkerung machen.“
Der Bundestagsabgeordnete Dr. Michael Meister (CDU) bedankte sich herzlich für die freiwillig und ehrenamtlich geleistete Arbeit der DRK-Aktiven. Diese sei aber nur bei guter Ausstattung möglich, weshalb die Politik durch eine entsprechende Änderung des Grundgesetzes noch mehr finanzielle Mittel für die Gefahrenabwehr bereitstellen werde. „Dringend brauchen wir die Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Menschen müssen das mit tragen. Die benötigten Ressourcen können wir nur als Gesellschaft gemeinsam zur Verfügung stellen.“
Die Landtagsabgeordnete Birgit Heitland (CDU) dankte allen Aktiven für ihren vielstündigen, unermüdlichen Einsatz: „Unsere Rettungskräfte leisten Tag für Tag großartiges, im Haupt- und im Ehrenamt.“ Im Hinblick auf diskutierte Reformen in den Strukturen des Einsatzwesens wies die Landespolitikerin darauf hin, dass das Ziel einer Gleichstellung der Rettungskräfte von Freiwilligen Feuerwehren und dem DRK sowie anderer Hilfsorganisationen richtig sei. Zuvor müsste allerdings die Frage der Finanzierung geklärt werden.
Landrat Christian Engelhardt (CDU) bedankte sich für die Einsätze der ehrenamtlichen First Responder-Einheiten im Kreisgebiet. Diese würden oftmals die Zeit bis zum Eintreffen des hauptamtlichen Rettungsdienstes gut überbrücken und somit einen wichtigen Dienst leisten. Wie seine Vorredner unterstrich auch er die große Bedeutung gut ausgestatteter Rettungskräfte für die Bevölkerung: „Auf den Rettungsdienst, die Polizei oder den Notarzt können wir nicht verzichten und im Ernstfall auch nicht warten. Wir müssen das Bestmögliche tun, um die rettungsdienstliche Versorgung im Kreis Bergstraße zu sichern.“
Erlebnisbericht: Deutscher Arzt im ukrainischen Kriegsgebiet
„Dieser Krieg ist die Hölle.“ Dieses Zitat eines ukrainischen Sanitätshelfers stellte der Unfallchirurg und Notarzt Bastian Veigel seinem Vortrag über seine Hilfseinsätze in der Ukraine als Überschrift voran. Der deutsche Arzt hatte seinen bewegenden Erlebnisbericht bereits im November des vergangenen Jahres auf dem 22. DRK Rettungsdienstsymposium in Kassel vorgetragen. DRK Kreisgeschäftsführer Christian Keilmann hatte den Vortrag dort gehört und Bastian Veigel daraufhin an die Bergstraße eingeladen. Im Rahmen des Jahresempfangs trug der aktive Notfallarzt seine Erlebnisse nun den Gästen des DRK Kreisverbandes in Bensheim vor.
Bastian Veigel war bereits zweimal für mehrere Wochen in der Ukraine, um Verwundete zu behandeln. Bei seinem letzten Aufenthalt lag sein Einsatzgebiet nur rund zwölf Kilometer hinter dem Frontverlauf. Diese nur kurze Distanz war sehr gefährlich, ließ aus medizinischer Sicht aber keine Alternativen zu. „In einem alten Bauernhaus waren vier Liegendplätze eingerichtet. Dort hatten wir auch kleinere Operationen durchgeführt. Evakuierungen wurden mit normalen Pickups, alten VW Bussen und einfachen Ladas vorgenommen“, so Veigel. Dabei würde jederzeit der Funk abgehört. Krankenwagen und notdürftig eingerichtete Stationen würden sofort zusammengeschossen, unmittelbar nachdem die Standorte vom Kriegsgegner aufgeklärt worden seien. „Hinter Kiew erlebt man eine extreme Zerstörung. Die Straßen im Donbas sind kaputt. Überall sieht man zerschossenes Kriegsgerät, Panzer und LKW. Und es fehlt an allem“, beschreibt Veigel die extreme Situation vor Ort. In ihren 48-Stunden-Schichten arbeiteten er und sein Team aus örtlichen Freiwilligen immer unter Beschuss, es verging kein Tag ohne Luftalarm. Sie mussten bei der Versorgung von Verwundeten auch über gerade erst geräumte Mienenfelder fahren. Seit Kriegsbeginn sei das Risiko für ihn und sein ukrainisches Helferteam immerzu gewachsen. Besonders der Einsatz von Drohnen habe den Krieg stark verändert: „Die Drohnen nehmen alles ins Ziel, was sich bewegt.“
Missachtung der Genfer Konventionen
„Das Völkerrecht galt hier von Anfang an nicht“, erklärte der Arzt, der vor rund drei Jahrzehnten eine Zeit lang selbst als Soldat bei der Bundeswehr diente. Den Krieg in der Ukraine beschreibt er als „bewusst herbeigeführte Katastrophe“. Auch chemische Waffen kämen zum Einsatz. Diese seien nicht unmittelbar tödlich, ihr Einsatz aber eben auch völkerrechtswidrig. Und die Verletzungen bei den Kriegsopfern seien verheerend. Trotzdem behandelten er und sein Team immer auch russische Verwundete. Einige freiwillige Helferinnen und Helfer aus seinem Team vor Ort seien mittlerweile gestorben. „Zunächst gibt es keine Rückmeldung mehr auf persönliche Nachrichten. Später erfährt man, das die Person im Krieg gefallen ist“, so Veigel. Die Motivation zur erfolgreichen Improvisation und die Moral der ukrainischen Bevölkerung seien aber nach wie vor ungebrochen.
Bastian Veigel trägt sachlich vor und ist doch auch sehr emotional. Immer wieder wird während des 45-minütigen Vortrags seine Stimme leicht brüchig. „Der Krieg verändert alles, auch mich.“ In den Wochen des unaufhörlichen Dauerstresses habe er zehn Kilo abgenommen. Auf seine zum Schluss des Vortrags selbst gestellte Frage, ob die Hilfseinsätze sich gelohnt hätten, antwortet der Arzt mit einem unmissverständlichen „Ja!“.
Es sei vor allem für die Menschen vor Ort wichtig, dass hier bei uns über den Krieg gesprochen wird, da sich viele in der Ukraine von der Welt vergessen fühlten. Deshalb wird Bastian Veigel auch weiterhin seinen Vortrag halten, seinen Podcast mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) weiterführen, Materialspenden sammeln und auch zukünftig an der Vernetzung von Unterstützenden arbeiten. Und solange der Krieg nicht endet, wird er sicher als helfender Notfallarzt auch wieder in den Donbass fahren.





